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Ein nicht alltäglicher Rechtsstreit


Das Paar Moises von Hamm und Freuchen Gans war wegen seiner umfangreichen Handelstätigkeit in viele Prozesse mit zahlungsunwilligen Schuldnern verwickelt

Ein Rechtsgutachten zum Prozess zwischen Freuchen und dem Ritter Dietrich von Nehem Ein Rechtsgutachten, das im Prozess zwischen Dietrich von Nehem und Freuchen Gans angefertigt wurde.
Abbildung: Jüdisches Museum Westfalen
Im Fall des Dietrich von Nehem, der als gewalttätig bekannt und 1591 wegen Totschlags vom Hammer Gericht verurteilt worden war, griff Freuchen nach beinahe 20jährigem Streit zu der geschilderten Zwangsmaßnahme.
Moises und Freuchen hatten dem Adligen im September 1599 eine Summe von 100 Reichstalern geliehen, später weitere Summen in dieser Größenordnung.

Als Nehem mit den Rückzahlungen in Verzug geriet, behauptete er, kein Darlehen erhalten zu haben. Schon 1609 erhob Moises von Hamm Klage und bekam im Mai 1613 auch Recht; der Schuldner wurde außerdem zur Zahlung der Gerichtskosten verurteilt. Dieser aber appellierte gegen die bestehende Rechtslage immer weiter an höhere Gerichte und wartete ab. Diese Prozessverschleppung nahm das zuständige Hofgericht in Kleve nicht hin und ordnete die Zwangsvollstreckung an.
Vertrag der Freuchen Gans mit der Partei des Dietrich von Nehem vom 20. Januar 1622 Vertrag der Freuchen Gans mit der Partei des Dietrich von Nehem vom 20. Januar 1622.
(NRW Staatsarchiv Münster, Reichskammergericht - RKG N Nr. 212)

"Mit Schimpf und Schande"


Gegen die im Sommer 1619 durchgeführte Versteigerung legte Dietrich von Nehem beim höchsten deutschen Gericht, dem Reichskammergericht, wiederum Beschwerde ein, aber er verlor seinen Prozess - wie es heißt: "mit Schimpf und Schande" im Jahr 1621 endgültig. Wegen "mutwilligen und freventlichen Appellierens" hatte er eine zusätzliche Strafe zu zahlen.

Die Viehversteigerung reichte zur Bezahlung von Nehems Schulden aber nicht aus. Zur endgültigen Beilegung des Konflikts schlossen die streitenden Parteien Freuchen Gans und Dietrich von Nehem im Januar 1622 unter Vermittlung von Freunden einen Vergleich über die weiteren Zahlungen, der notariell beglaubigt wurde. Für das Gläubiger-Ehepaar unterschrieb hier Freuchen Gans allein. Wegen der Wirren des Dreißigjährigen Kriegs (16181648), unter dem auch Dietrich von Nehems Besitz litt, ist diese Vereinbarung wahrscheinlich nicht eingehalten worden.
Das jüdische Ehepaar besaß den Mut und die Hartnäckigkeit, einem streitsüchtigen Adligen wie Dietrich von Nehem die Stirn zu bieten. Das Vertrauen auf die Zuverlässigkeit der christlichen Rechtsinstitutionen wurde in diesem Falle nicht enttäuscht. Eine Voraussetzung des juristischen Erfolgs war aber ihr großer finanzieller Rückhalt.