Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Beitrag zur Modernisierung des jüdischen Unterrichtes


Es stellte sich heraus, dass der Unterricht an der jüdischen Schule Groningen zu modern für den traditionell lebenden Juden war.

Das vom in Amsterdam ausgebildeten "aufgeklärten" Lehrer S.J. van Ronkel verfasste Lehrbuch, 1845 Titelseite des vom an der jüdischen Lehrerausbildungsanstalt in Amsterdam ausgebildeten "aufgeklärten" Lehrer S.J. van Ronkel verfassten Lehrbuches, 1845.
(RHC GrA Tg 1769 invnr. 10604)
Aber die Ideale, die für die Schule und ihr Unterrichtsprogramm Pate gestanden hatten, sollten noch Jahrzehnte später als Vorbild für jüdische Schulen an anderen Stellen in den Niederlanden dienen. Und in dem Sinne war Tipereth Bachurim sehr wohl bedeutsam.

Obwohl Tipereth Bachurim für alle sozialen Schichten der Bevölkerung offen stehen sollte, stellte sich dies doch als zu fortschrittlich heraus. Schon 1818 entstand im Keller des Gebäudes ein Teil für die allerärmsten Kinder. 1824 wurde die Trennung zwischen armen und reichen Kindern an der Lehranstalt endgültig besiegelt.

"Bürgerschulen"


Diese Entwicklung hatte schon früher begonnen. Ab 1818 schickten wohlhabende Eltern ihre Kinder an so genannte "Bürgerschulen" von Privatlehrern. Aber die Teilung der Schule in einen "armen" und einen "reichen" Teil war auch die Folge verwaltungstechnischer Regeln. Das Kultusministerium subventionierte nämlich die Armenschulen und wollte eine deutlichere Einsicht in die Verwendung dieser Gelder bekommen, die ausschließlich den Armen zugute kommen durften.

So sehen wir, dass nach einer kurzen Periode von den hochgestimmten Idealen der Gründer in der Praxis wenig übrig geblieben war. Sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen war der Widerstand gegen solche Erneuerungen im Unterricht zu groß. Aber das bedeutet keineswegs, dass die Bedeutung der Lernanstalt begrenzt war. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein sollte das Unterrichtsprogramm anderen jüdischen Schulen als Vorbild dienen.

Ideal nicht verwirklicht


Die jüdische Lehrerausbildung in Amsterdam war die wichtigste Quelle moderner Lehrer. Und da diese Anstalt von reformfreudigen Juden dominiert wurde, sickerten ihre Ideale langsam bis in die entlegensten Ecken des Landes durch. Das Ideal, dass der Unterricht für jüdische Kinder zu einer veränderten Berufsausübung beitragen würde, wurde nicht verwirklicht. Um 1800 arbeiteten die meisten Juden im Dienstleistungsbereich, 1900 war dies noch immer der Fall.
Dennoch war im Allgemeinen die Situation um 1900 nicht vergleichbar mit der um 1800. Jüdische Kinder hatten nun die gleichen Möglichkeiten und Chancen wie nicht-jüdische Kinder. Von dem sogenannten "Zivilisationsrückstand" im Vergleich zu nicht-jüdischen Kindern war jetzt keine Rede mehr. Auch änderte sich das Streben nach "Religionssinn". Um 1900 hatte das Wissen um die eigene Religion nachgelassen. Aber das kann den Unterrichtserneuerern kaum vorgeworfen werden: Die Politik richtete sich mehr auf die Entwicklung tugendhafter Bürger als auf die Bildung frommer Juden.