Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Initiator und Lehrer David Snatich


Sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits kam David Snatich aus einer Familie von Rabbinern. Er war bereits in jungen Jahren durchdrungen von den Idealen der Aufklärung. Als Lehrer an der Schule versuchte er, diese Ideale auch in die Praxis umzusetzen.

Der 1725 in Hamburg geborene Autor und Pädagoge Naphtaly Herz Wesseley Der in Hamburg geborene Autor und Pädagoge Naphtaly Herz Wesseley (1725–1805).
(Abbildung: Encyclopedia Judaica 16, S. 461)
Der Vater von David Snatich war der Rabbiner Gerson Abraham Snatich, Sohn des bekannten Rabbiners Abraham Snatich und Hester Steinschneider aus Prossnitz (Prostejov), der seit 1775 in Goningen lebte. In Prossnitz hatte das Gedankengut der Haskalah schon früh Fuß gefasst, und es ist anzunehmen, dass Davids Vater diesen Einfluss angenommen und an seinen Sohn weitergegeben hatte. Zumal wir von David wissen, dass er bereits seit seiner Jugend ein regelmäßiger Besucher der Bibliothek der christlichen Aufklärungsgesellschaft "Maatschappij tot ít Nut van het Algemeen" (Gemeinnützige Gesellschaft) war.

Schüler von Wesseley


Wichtiger aber ist, dass David Snatich ein Schüler von Naphtaly Herz Wesseley war. Neben Moses Mendelsohn war er der wichtigste Anführer der Aufklärung in Deutschland. In seinem 1782 erschienenen Buch "Worte des Friedens und der Wahrheit" hatte er seine Auffassungen bezüglich einer Reform der jüdischen Erziehung erläutert.

Wesseley war der Meinung, dass sich diese mehr auf den säkularen Unterricht verlagern sollte, so dass jüdische Kinder bessere Chance hätten, einen gewerblichen Beruf auszuüben. Auch seine pädagogischen Ansichten bedeuteten eine Erneuerung. Statt nur zu bestrafen, stand er einem System von Belohnung und Strafe vor. All seine Ideen sollten in Groningen dank Snatich und seiner Mitstreiter Eingang finden.

"Ich war sprachlos"


Natürlich wurde David Snatich berufen, als einer der Lehrer an der Schule tätig zu werden. In einem Brief beschreibt er seine erste Begegnung mit den Kindern: "Ich war sprachlos […] ich war von ihrem Geschrei und Lärm wie vor den Kopf gestoßen. Mein Gott, so dachte ich, muss ich unter diesen Wilden täglich einige Stunden verbringen? Das halte ich nicht aus." Aber schon bald erinnerte sich Snatich der Lehren von Wesseley und der Pädagoge in ihm zeigt sich, als er schreibt, dass man Kinder, "die zum größten Teil nie an Ordnung, Ruhe und Gehorsam gewohnt waren; Kinder, die immer mit dem Stock oder mit Schimpfwörtern zum Schweigen, und durch die Furcht vor der Strafe zum Gehorsam gezwungen waren", durch Liebe und Respekt Vertrauen wecken kann und sie so zu besseren Menschen formen kann.