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Die Familie Hildesheim: Heiratspolitik


Die Lebensgeschichte von Philip Mozes Hildesheim ist ein Beispiel dafür, wie die richtige Partnerwahl zusammen mit geschäftlichem Talent im 19. Jahrhundert zu großen Schritten auf der sozialen Leiter führen konnte.

Der Laden von Hildesheim Der Laden von Hildesheim in der Folkingestraat.
Foto: Privatbesitz
Im Januar 1830 heiratete Philip Mozes Hildesheim Henderina Meijer de Haas. Sie war die zehn Jahre ältere Witwe des Bäckers Philip Victors van der Reis. Ihr erster Mann stammte aus einem Geschlecht von Bürgern, die hohes Ansehen im nahe von Groningen gelegenen Dorf Leek genossen.

Nach dem Tod ihres ersten Mannes betrieb die Witwe weiter die Bäckerei in der Folkingestraat, wobei sie von einem jüdischen und einem nicht-jüdischen Bäcker unterstützt wurde. Ab dem Herbst 1822 bis zu seiner Heirat im Januar 1830 ist wenig über Philip Mozes Hildesheim bekannt. Er ist als Kaufmann eingetragen, aber womit er handelte, ist nicht verzeichnet. Er wird nicht viel verdient haben, denn bei seiner Heirat überreichte er eine Erklärung, dass er kein Geld hätte, um für die gerichtlichen Dokumente zu zahlen.
Grundriss mit der alten und zukünftigen Lage der Bäckerei von Hildesheim im Jahre 1911 Grundriss mit der alten (links) und zukünftigen (rechts) Lage der Bäckerei von Hildesheim im Jahre 1911.
(RHC GrA TG 1849 inv. nr. 10/1304)

Große Sünde


Den wahrscheinlichen Grund, warum dem Philip Mozes über seinem Stand heiraten konnte, erkennen wir vierzehn Tage nach seiner Hochzeit: Dann wurde nämlich sein Sohn Izak geboren. Nach den geltenden Normen in der jüdischen Gemeinschaft der damaligen Zeit war dies eine große Sünde.

Die Chance, seine wirtschaftliche Lage zu verbessern, die ihm diese Ehe bot, nahm Philip mehr als wahr. Zunächst allein, danach unterstützt von seinem Stiefsohn und seinem Sohn, konnte er die Bäckerei zu einer gewinnträchtigen Firma ausbauen. Man hat übrigens nicht nur Brot gebacken, sondern außerdem Kuchen, wie wir aus einem Reisebericht seines Schwagers Samuel Victors van der Reis wissen.
Das jüdische Armenhaus am Schoolholm in Groningen Philip Mozes Hildesheim war in der Verwaltung der Armenkasse, die unter anderem das jüdische Armenhaus am Schoolholm in Groningen verwaltete, aktiv.
Foto: RHC GrA TG 818 inv. nr. G20-908d
Auch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft verbesserte Philip seine soziale Stellung und stieg in die Spitze der Verwaltung der jüdischen Gemeinde auf. Er rückte auf vom Armenleiter über Mitglied des Kirchenrates bis zum Geschäftsführer.

Ehrentitel


Außerdem war er jahrelang Verwalter des Beerdigungsvereins Gemiluth Chesadim Kabranim. Für seine Arbeit und seinen Einsatz belohnte ihn der Oberrabbiner mit dem Ehrentitel eines Chower (= Freund der Tora).

Bei seinem Tod im Jahre 1880 vererbte Philip Mozes Hildesheim ein großes Vermögen, das hauptsächlich aus Immobilien bestand. Seine Lebensgeschichte ist ein Beispiel dafür, wie die richtige Partnerwahl zusammen mit geschäftlichem Talent im 19. Jahrhundert zu großen Schritten auf der sozialen Leiter führen konnte.