Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Die Nachkommen des Königs für einen Tag


Saul Wahl starb 1617.

Teil des jüdischen Stadtviertels in Wilna. Teil des jüdischen Stadtviertels in Wilna. Postkarte aus dem Jahre 1916.
Sechs Jahre später trennte sich die jüdische Gemeinde in Litauen von der polnischen und gründete ein eigenes Parlament in Brześć Litewski, in dem Sauls Sohn, Mair Wahl, zum Vorsitzenden wurde. Sauls Enkel, Izrael Wahl, siedelte später nach Lublin um, weil er sich hier angeblich um die Familiensynagoge kümmern sollte. Er wurde auf dem alten Friedhof in Lublin begraben.

Seine zahlreichen Nachkommen wanderten in alle Herren Länder aus. Es ist interessant, dass viele alte englische, französische oder deutsche Familien mit Stolz hervorheben, dass sie von Saul Wahl abstammen. Vielleicht eben, weil in dieser Geschichte ein Körnchen Wahrheit steckt.

Sauls Erben hielten sich für den jüdischen Adel und nach dem ersten Weltkrieg bemühten sie sich sogar um den Adelstitel für die Familie Wahl.

Niederlassung in Krakau


Die Nachkommen von Saul, die in Polen blieben, siedelten vor allem in Krakau an und dort traf sie auch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser schrecklichen Zeit lebte der Holzhändler Leon Wahl zusammen mit seiner Familie in der Wrzesińska-Strasse in Krakau.

Leon wurde zusammen mit seiner Familie in das Krakauer Getto eingesperrt und überlebte nur dank der Hilfe seines Universitätskollegen, dem Anwalt Tadeusz Dzik. Er ermöglichte ihm – und vielen anderen – die Flucht, indem er gefälschte Kennkarten ins Ghetto schmuggelte. Aber die Freude über die wiedergewonnene Freiheit hielt nicht lange an. Kurz danach wurde die Familie Wahl schon wieder verhaftet. Leon Wahl wurde in Auschwitz ermordet, sein Sohn Maksymilian starb im Konzentrationslager Mauthausen. Sein anderer Sohn Fryderyk wurde vor der Mauer des Ghettos erschossen, nachdem man ihn als Jude identifiziert hatte. Nur Julian und Pola, zwei weitere Kinder von Leon, konnten sich retten. Julian heiratete während des Krieges die Tochter des Försters, bei dem er sich bis 1945 versteckt hielt. Nach dem Krieg arbeitete er in Stalowa Wola als Buchhalter. Pola heiratete einen Offizier der Polnischen Armee.
Heute gibt es diese Familie nicht mehr. Aber die Legende über den König, der für einen Tag Polen regierte, erzählt man sich immer noch in vielen Familien.