Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Kandidat mit Jarmulka


Nach dem Tod von König Stefan Batory 1587, brach in Polen eine Interregnumskrise aus. Der polnische Adel versammelte sich, um über einen neuen König zu beratschlagen.

Der polnische Adel verhandelt über die Wahl des neuen Königs Die Verhandlungen des Adels während der Wahl des neuen Königs. Barnardo Belotto "Canaletto" 1778. Das Original befindet sich im Volksmuseum in Warschau.
Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem Adel und den Magnaten, denen es eigentlich zustand, den neuen König zu wählen. Es wurde immer schwieriger eine Entscheidung zu fällen, zudem drängte auch noch Zeit. Während einer der endlosen Debatten, bei der abzusehen war, das auch sie zu keinem Ergebnis führen würde, rief auf einmal jemand aus vollem Halse: "Wir wollen Saul!"

"Vivat Saul Rex!"


Erstaunlicherweise waren alle Anwesende mit diesem Vorschlag einverstanden. Die versammelte Delegation bekräftigte den Vorschlag noch, indem sie laut "Vivat Saul Rex !!!" rief. Es gab keine einzige Stimme gegen Saul, niemand legte ein Veto ein. Niemand war gegen diese Entscheidung. Die Wahl wurde dank dieses Ausrufes rechtskräftig! Polen hatte ab sofort einen neuen König.
Erinnerungsmonument am Ort der Wahlen Das Erinnerungsmonument, das im Jahre 1997 an dem Ort erbaut wurde, an dem in den Jahren 1575–1764 der Adel zehn neue Könige wählte.
Foto: Z. Wałkowski
Der neugewählte König Saul bestieg das Podium, zog seine Fuchsmütze vom Kopf, verneigte sich vor dem Publikum und bedankte sich mit folgenden Worten: "Es tut mir leid, aber ich kann den Thron nicht länger als eine Nacht besteigen. Morgen ist Sabbat, und welcher anständige Jude arbeitet schon am Sabbat?"

Der Sabbat also war der Grund seiner freiwilligen Abdankung. Aber der Legende zu Folge hat er während seiner eintägigen Herrschaft viele Sonderrechte zugunsten der polnischen Juden verabschiedet.
Sigismund III Wasa, polnischer König Sigismund III Wasa, polnischer König in den Jahren 1587–1632. Bildreproduktion von Jan Matejko aus dem Jahre 1892.

Saul wurde Sonderdiener


Der nächste König, der nach Sauls Rücktritt gewählt wurde, war Sigismund III. Wasa. 1589 schrieb er Saul auf die Liste der königlichen Sonderdiener. Bis zu seinem Tod trug Saul eine goldene Kette mit der Abbildung des weißen Adlers um den Hals – das Symbol der Macht königlicher Diener. Zudem durfte er auch ein eigenes Wappen führen. Nach diesem Ereignis wurde ihm der Beinamen "Wahl" gegeben.

Ob diese Geschichte der Wahrheit entspricht, lässt sich schwer feststellen. Aber bekanntlich steckt ja in jeder Legende ein Körnchen Wahrheit. Die einzigen Bemerkungen über dieses Ereignis hat man in einem Geschichtsbuch, das in der Vorkriegszeit in jüdischen Schulen benutzt wurde, und in der "Jüdischen Enzyklopädie", die 1912 in Petersburg erschienen ist, gefunden. Was wir aber mit Sicherheit wissen ist, dass es die Person Saul Wahl gegeben hat.