Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Schneider, Schuster und Tischler


In der Krawiecka-Straße lebten, trotz ihres Namens, vor allem Schuster und nur einige Schneider.

Jüdische Schmiede Jüdische Schmiede, Postkarte vom Anfang des 20. Jahrhunderts
Es gab auch viele Tischler, Lastenträger, außerdem Wasserträger und Stricker. Diese Berufe wurden später nicht mehr ausgeübt. In der Krawiecka-Straße wohnten außerdem viele Arbeiter. Die größte Gruppe bildeten aber die Bettler und die Menschen ohne Beruf.

Die Arbeit des Schusters war schwer und brachte kaum Erträge. Die Schusterwerkstatt befand sich im allgmeinen in einem Zimmer, das gleichzeitig als Wohnung für die Familie diente. Meistens sah es so aus: Am Fenster stand ein Tisch, darauf lagen Nägel, Lederstücke und Blechdosen mit Kleber. Neben dem Tisch hingen Hämmer. Daneben befanden sich zwei Hocker, der eine für den Meister und der zweite für den Kunden. Der Fußboden war mit Lederresten überhäuft.

Enge im Zimmer


Im restlichen Teil des Zimmers standen zwei Betten, ein Tisch und ein paar Stühle. An einem speziellen Rahmen hingen einige Töpfe. In diesem Teil des Zimmers verbrachten die Kinder ihre Zeit, hier aßen sie, machten ihre Hausaufgaben und spielten. Hier bereitete auch die Hausfrau, wenn sie etwas hatte, das Essen für die Famile zu.
Lubliner Wasserträger Lubliner Wasserträger. Postkarte aus der Zeit der deutschen Okkupation.
Foto: "Brama Grodzka Teatr NN"
Die Arbeit der Lasten- und Wasserträger war auch schwer. Sie trugen den Menschen die eingekauften Waren wie Kohle und Holz. Sie standen immer in Gruppen an der Straßenecke und warteten auf Kunden, die sie anstellten, um ihre schweren Waren über große Entfernungen zu tragen.

Oft wurden sie auch von Ladenbesitzern angestellt, um schwere Warensäcke ins Geschäft zu tragen. Diese Arbeit wurde nur von starken, breitschultrigen Männern ausgeübt. Die Venen auf ihren Händen waren immer angeschwollen wie Stricke, ihre Hände waren voller Schwielen. Man sagte, die Lastenträger sollen sogar einen Schrank auf dem Rücken getragen haben.

Minimales Gehalt


Manche konnten sogar fünfhundert Kilo auf ihre Schultern nehmen. Ihr Gehalt war minimal, aber täglich gab es die Gelegenheit, sich für eine solche Arbeit anstellen zu lassen. Da es in den Wohnungen keine Wasserleitungen gab, stellte man oft Wasserträger an. Das Wasser wurde aus dem öffentlichen Wasserleiter hergebracht. Der Wasserträger trug an einem speziellen Seil auf dem Rücken zwei Eimer Wasser. Dafür bekam er ein bescheidenes Gehalt.
Fröhlicher Norman  Schuhmacher aus Puławy Schuhmacher aus Puławy, Fröhlicher Norman genannt.
Foto: "Brama Grodzka - Teatr NN"

Arbeit zu Hause


Der typischste Beruf war der des Schneiders. Sie arbeiteten vorwiegend zu Hause. Oft brauchten sie nur einen Raum, in dem ein Schneideschemel stand.

Der Schneider arbeitete dort, aß, wohnte und in der Nacht breitete er einen Strohsack oder Klappbett aus und schlief. Viele von ihnen arbeiteten allein, andere aber hatten ihre Helfer.

Sie nähten alles: Anzüge, Mäntel, Frauenkleider und die Mützen für den Markt. In der Krawiecka-Straße 41 wohnten zwei Schneider: Mordechaj Goldberg und Moszek Fenstermacher.