Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Lublin und Lubliner Region in Singers Erzählungen


Die Helden der bekanntesten Werke von Singer waren die Bewohner der jüdischen Städtchen aus der ganzen Lubliner Region.

Jüdisches Haus aus Heu in Izbica Jüdisches Haus aus Heu in Izbica.
Illustration aus dem Buch von Jan Górak "Städte und Städtchen der Region Zamość"
In den Werken von Singer, sowohl in den Romanen und Erzählungen, als auch in seinen Werken für Kinder, taucht Lublin selbst auf. Die Handlung seines ersten und nach Meinung der Kritiker auch seines besten Romans "Satan in Goraj" spielt in Lublin.

Aber der bekannteste Roman, der in Lublin spielt, ist "Der Zauberer von Lublin". Die Hauptfigur des Romans, Jascha Mazur, ist ein Zauberer, der Lublin verlassen will. Er träumt von Warschau und von anderen europäischen Hauptstädten, denn er möchte die ganze Welt erobern.

Rückkehr in die Heimatstadt


Aber das Schicksal führt ihn wieder zurück in seine Heimatstadt. Nachdem er seine Karriere als Zauberer aufgegeben hat, schließt er sich in einem Kämmerchen im Hofe seines Hauses in Lublin ein, um sich von den Menschen und von der gesamten Welt zurückzuziehen. Er verbringt die Tage mit Gebeten und Meditation. Er erträgt die Kälte, den Hunger und ist von dem Zeitpunkt an nicht mehr Jasha der Zauberer, sondern Jasha der Büßer. Er wird immer berühmter, Pilgergruppen gottesfürchtiger Juden kommen nach Lublin zu ihm, wie zu einem Rabbiner, der Wunder vollbringt.

Eine von Singers Erzählungen – "Jentl" – diente zudem als Grundlage für das bekannte amerikanische Musical mit Barbara Streisand in der Hauptrolle, in dem Lublin in der Vorkriegszeit gezeigt wird.
Häuser auf dem Markt in Krasnobród Häuser auf dem Markt in Krasnobród in der Lubliner Region, 1935.
Illustration aus dem Buch von Jan Górak "Städte und Städtchen der Region Zamość"
Abgesehen von Lublin kommen in Singers Werken auch andere Städte aus den Lubliner Regionen wie zum Beispiel Zamość, Chełm, Frampol, Izbica und Biłgoraj vor. Singer beschreibt in seinen Werken die alten polnisch–jüdischen Städtchen, die Kultur, Traditionen und den besonderen Reiz, der diese Städtchen ausmachte.

Biłgoraj als Vorbild


Bei mehreren Beschreibungen solcher kleiner Städtchen hat sich Singer an der Stadt Biłgoraj orientiert, in der er fünf Jahren seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Hier beobachtete er das Leben seiner eigenen Familie und ihrer Freunde, hier hörte er die Erzählungen und Legenden, die er dann später in seiner Phantasie zu zahlreichen Romanen und Erzählungen werden ließ.

Wenn man Texte von Singer liest, kann man sich im Kopf eine eigene Karte der Lubliner Region erstellen, es entsteht sozusagen ein Reiseführer durch die verschiedenen Städtchen.
Singer war ein kontroverser Schriftsteller. Er wurde von vielen jüdischen Kritikern und Lesern für einen Verräter der jüdischen kulturellen Traditionen gehalten. Der damalige Premierminister von Israel, Menachem Begin, kritisierte ihn dafür, dass er auf Jiddisch und nicht auf Hebräisch schrieb.

"Auszeichnung für die jiddische Sprache"


Nachdem er 1978 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat, sagte Singer, dass "er diesen Preis als Auszeichnung für die jiddische Sprache – die Sprache der Verbannung, die Sprache ohne Land, die Sprache ohne Grenzen, die Sprache, in der es solche Begriffe wie Waffe, Munition, Drill oder Taktik der Kriegsführung nicht gibt, bekommen hat".

Singers Romane haben wesentlich dazu beigetragen, dass die jiddische Sprache sowohl in Polen als auch in den USA an Popularität gewonnen hat. In beiden Ländern werden noch immer Forschungen zur jiddischen Literatur betrieben. In Polen werden diese an der Maria Curie-Sklodowska Universität an der Forschungsanstalt zur Jüdischen Kultur und Geschichte in Lublin durchgeführt. Die Forschungen leitet derzeit Frau Professor Monika Adamczyk-Garbowska, Professorin der amerikanischen Literatur und der vergleichenden Literaturwissenschaften.

Das berühmteste Zentrum in den USA, das sich mit diesem Thema auseinandersetzt, ist die University of Texas in Austin, wo sich auch das Archiv von Isaac Bashevis Singer befindet.