Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Jiddisch


Jiddisch ist eine der Sprachen, die Juden geschaffen haben und die sie gesprochen haben.

Fragment des Manuskripts der Erzählung "Androginus" Foto des Manuskripts von Isaac Bashevis Singer, auf Bestellung von Chone Schmeruck zum Werk "Der Spiegel".
Diese Sprache ist im frühen Mittelalter, wahrscheinlich ungefähr im 10. Jahrhundert, unter in Deutschland lebenden Juden entstanden. Ihre Basis bildet die deutsche mit Elementen der aramäischen und hebräischen Sprache.

Jiddisch ist die einzige jüdische Sprache, die sich im Mittelalter auf der Grundlage der germanischen Sprachen und Dialekten mit Elementen der hebräischen, slawischen und besonders auch der polnischer Sprache herausgebildet hat.

Hebräische Buchstaben


Der Wortschatz und die Phonetik sind in hohem Maße Deutsch, die Grammatik den slawischen Sprachen nachgebildet. Jiddisch wird, wie auch alle anderen Sprachen, die Juden sprechen, mit hebräischen Buchstaben geschrieben.

Sowohl in der hebräischen als auch in der jiddischen Sprache gibt es keine großen Buchstaben. Die Wörter werden von rechts nach links geschrieben und für einen Leser der christlichen Kultur scheinen die jüdischen Bücher somit wie von hinten nach vorne geschrieben und gelesen.

Wissenschaftler nehmen an, dass Jiddisch eine Sprache war, die die Juden in Deutschland gesprochen haben. Als sie im 13. und 14. Jahrhundert verfolgt wurden, flohen sie gen Osten und so entwickelte sich Jiddisch in Polen weiter.
Buchdeckel von Singers Roman "Der Zauberer von Lublin" Buchdeckel von Singers Roman "Der Zauberer von Lublin", herausgegeben in Jiddisch.
Buch aus der Sammlung von Simcha Wajs

Umgangssprache in Osteuropa


Seit dem 18. Jahrhundert war Jiddisch, im Unterschied zu Hebräisch, das als eine Schriftsprache für religiöse Zwecke verwendet wurde, eine Umgangssprache der in Osteuropa lebenden Juden. So wie Hebräisch eine Sprache der Liturgie, religiöser Praktiken und heiliger Texte war, so war Jiddisch eine Umgangssprache für weniger gebildete Leute, besonders für Frauen.

Die beiden Sprachen ergänzten sich hervorragend. Es ist leicht erkennbar, dass Jiddisch die Sprache des einfachen Menschen ist, die in kleinstädtischen jüdischen Familien geprägt und entwickelt wurde.

Im Laufe der Zeit entstand jiddische Literatur, vor allem Übersetzungen und Kommentare zur Bibel. Es erschienen auch andere Bearbeitungen auf Jiddisch: Sammlungen von Geschichten, Parabeln, Legenden und Gebete. Dank dieser Bearbeitungen war es auch den Frauen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen durften und kein Hebräisch konnten, möglich, sich mit den übersetzten biblischen Erzählungen vertraut zu machen.

Jiddisch im Unterricht


Ein bedeutender Moment für die Entwicklung der jiddischen Sprache in Polen war die Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. In dieser Zeit wurden Schulen eröffnet, in denen Jiddisch Unterrichtssprache war. Außerdem wurden zahlreiche historische, medizinische und ökonomische Schriften auf Jiddisch gedruckt. Viele Schriftsteller jüdischer Abstammung, wie auch Singer, beschlossen, ihre Werke in eben dieser Sprache zu veröffentlichen.
Text eines populären Liedes "Wo ist das Gässchen?" auf Polnisch und Jiddisch Text eines populären Liedes "Wo ist das Gässchen? auf Polnisch und Jiddisch.
Vor dem Zweiten Weltkrieg sprachen etwa 12 Millionen Menschen Jiddisch, das heißt drei Viertel der Juden auf der ganzen Welt. Am Anfang des Zweiten Weltkrieges waren es etwa 11 Millionen Juden weltweit, hauptsächlich in Osteuropa.

Immer weniger Menschen sprechen Jiddisch


Heute sprechen immer weniger Menschen diese Sprache. Die Ursachen dafür sind sowohl der Holocaust als auch der Verzicht auf diese Sprache zugunsten anderer. Vorwiegend ältere Leute sprechen heute Jiddisch. Sehr religiöse orthodoxe Juden in Israel, Nord- und Südamerika sprechen Jiddisch noch täglich. Aber die Sprache stirbt langsam aus.

In Polen kann man fast nirgendwo mehr Menschen Jiddisch sprechen hören und das, obwohl es vor dem Krieg sehr populär war. Niemand singt, streitet oder handelt mehr auf Jiddisch. Uns bleiben nur die Erinnerungen, alte Vorkriegsbücher und noch einige Lieder, die noch nicht in Vergessenheit geraten sind.

Und in Westfalen...