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Wächter des jüdischen Friedhofes


Auf der Anhöhe zwischen der Sienna-Straße und der Kalinowszczyzna-Straße befindet sich der alte jüdische Friedhof.

Ansicht des alten jüdischen Friedhofs in Lublin Der alte jüdische Friedhof in Lublin.
Foto: Marta Kubiszyn
Er entstand in der Mitte des 16. Jahrhunderts, als der jüdischen Gemeinde im Jahre 1555 erlaubt wurde, einen Friedhof anzulegen. Dieser Friedhof gehört zu den wichtigsten Baudenkmälern der Stadt und ist einer der bedeutendsten Friedhöfe in ganz Europa. Auf dem Friedhof sind unter anderem die Grabsteine der wichtigsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu sehen, die auch weit außerhalb Polens bekannt waren.

Im alten Teil des Friedhofes befindet sich der älteste Grabstein, der auf dem Grab des 1541 gestorbenen Talmudisten Jakub Kopelman ha-Levi steht.
Grabstein von Jakob Kopelman ha-Levi Grabstein von Jakob Kopelman ha-Levi, dem hervorragenden Talmud-Gelehrten, gestorben im Jahre 1541.
Foto: Marta Kubiszyn

Prächtiger Grabstein


Nicht weit davon kann man einen viel jüngeren und prächtigeren Grabstein bewundern, der zu den wertvollsten auf dem Friedhof gehört, wobei hier eher sein religiöser und historischer als sein künstlerischer Wert gemeint ist. Das ist die letzte Ruhestätte des berühmten Jakub Icchak ha-Levi Szternfeld Horowitz, der auch als der Seher von Lublin bekannt war. Der im Jahre 1815 gestorbene Zaddik diesen Begriff im Glossar nachschlagen gilt als Begründer des Chassidismus in Polen.

Von Horowitz selbst gibt es viele Geschichten und Sagen, die uns über seine Gabe des Hellsehens und von seiner Lehre erzählen. Der "Seher von Lublin" war der Lehrer von vielen berühmten Zaddikim aus Polen. Sein Grab zieht bis heute zahlreiche Pilger aus der ganzen Welt an. Die ständig aufgestellten Kerzen sowie die hinterlassenen Zettelchen (Kwittelech) mit Bitte um Fürsprache bei Gott verdeutlichen, wie groß das Ansehen war, das er genoss.
Grabstein von Icchak Jakob ha-Levi Horowitz (dem Seher aus Lublin) Grabstein von Icchak Jakob ha-Levi Horowitz (dem Seher aus Lublin), der im Jahre 1815 gestorben ist.
Foto: Marta Kubiszyn

Wichtige Baudenkmäler


Zu den wertvollsten Baudenkmälern des Friedhofes gehört auch der Grabstein des in ganz Europa bekannten Rabbi Shalom Shachna. Er war der Gründer und Direktor der Lubliner Jeschiwa. Als Rabbi war er für die ganze Provinz Malopolska (Kleinpolen) zuständig. In den offiziellen Dokumenten wurde er Doctor Judeorum Lubliniensi tituliert. Er starb im Jahre 1558. Auch auf seinem Grab sind oft Kerzen und Kwittelech zu sehen.

In einem anderen Teil des Friedhofes ist der zum Teil beschädigte Grabstein des herausragenden Rabbi Salomon Luria erhalten geblieben. Der im Jahre 1573 gestorbene Rabbi wurde Maharshal genannt. Nach Shalom Shachna trat er die Stelle des Direktors der Lubliner Jeschiwa an; seine Schüler erlangten in ganz Polen große Bekanntheit. Nach seinem Beinamen Maharshal wurde auch die große Synagoge am Fuße des Schlosses benannt.

In dichtem Gebüsch stehen die Grabsteine zweier Marschälle des jüdischen Vierländer-Sejms. Es handelt sich hierbei um den in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts verstorbenen Rabbi Abraham Abele ben Israel ben Moze und den weitaus bekannteren Rabbi Abraham Parnas ben Chaim, der 1762 gestorben ist.

Der Friedhof wurde im Laufe der Zeit leider mehrmals schwer beschädigt und einige Teile wurden sogar komplett zerstört.