Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Alexander Haindorf – liberal-religiöser Reformer und Pädagoge (1784–1862 )


Alexander Haindorf wird 1784 in Lenhausen (Landkreis Meschede, Herzogtum Westfalen) als Sohn des Händlers und Schächters Sandel Hertz geboren.

Alexander Haindorf mit seinen Enkeln, 1854 Alexander Haindorf mit seinen Enkeln, 1854.
(Ölgemälde von Caspar Görke – Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster)
Er ist 9 Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Seit dieser Zeit lebt er bei seinen religiös orthodoxen Großeltern mütterlicherseits in Hamm. Der Großvater, Vogel Seligmann, betreibt dort ein Pfandleihgeschäft. Anschel Herz, der jüdische Gemeindevorsteher in Hamm und ein Vertreter des "akkulturationsbereiten" Reformjudentums, fördert Haindorf und erreicht, dass er als einer der ersten Juden das Hammer Gymnasium besuchen kann. Nach dem Abitur (1807) studiert Haindorf in Würzburg, Bamberg und Jena Medizin. Der Beruf des Arztes kann ohne den Übertritt zum Christentum ausgeübt werden.

Privatdozent und Arzt


Nach der Promotion an der Universität Heidelberg (1810) habilitiert sich Haindorf 1811 eben dort und ist zeitweise bis 1825 in der akademischen Lehre als Privatdozent tätig. Seine Existenz sichert er von 1816-1854 durch eine ärztliche Praxis in Münster, die auch von Adeligen der näheren Umgebung besucht wird.
1815 heiratet Haindorf Sophie Marks, eine Tochter des Gutsbesitzers Elias Marks.

Auf Initiative von Haindorf wird 1825 mit maßgeblicher politischer Unterstützung der Bezirksregierung Münster (Oberpräsident Ludwig von Vincke) und einer Schenkung des Schwiegervaters mit 25000 Talern der "Verein zur Beförderung von Handwerken unter den Juden und zur Errichtung einer Schulanstalt" gegründet, der eine jüdische Volksschule und ein Lehrerseminar errichtet. Haindorf gehört auch zu den Initiatoren des 1831 gegründeten und heute noch bestehenden Westfälischen Kunstvereins in Münster. Dies zeigt, wie akzeptiert er in der christlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in Münster ist – Juden haben in dieser Zeit in der Regel keinen Zugang zu christlichen Vereinen, Klubs und Organisationen.
Ein Tonkrug aus der Sammlung Haindorfs Ein Tonkrug aus der Sammlung Haindorfs.
(Jüdisches Museum Westfalen)

Schriften zur Geschichte der Deutschen


Haindorf ist Reformer und Philanthrop. Er beschäftigt sich zeitlebens mit neuhumanistischer Bildung, Literatur, Kunst, Psychologie, Philosophie und Geschichte. Er verfasst Schriften unter anderem zur Geschichte der Deutschen und zur Didaktik des Geschichtsunterrichts.

Nach langwierigen Verwaltungsverfahren wird 1866, also nach dem Tode Haindorfs, "sein" Verein in die "Marks-Haindorf-Stiftung" umgewandelt. Haindorf stirbt 1862 in Hamm und wird auf dem jüdischen Friedhof in Münster begraben.

(Darstellung im wesentlichen nach: Susanne Freund, Jüdische Bildungsgeschichte zwischen Emanzipation und Ausgrenzung, Paderborn 1997).

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