Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Ein Lehrerseminar als Reform-Motor


Das von Alexander Haindorf begründete jüdische Lehrerseminar in Münster, das 1874 als erstes jüdisches Lehrerseminar in Preußen Staatszuschüsse erhält, gilt als Zentrum der jüdischen Lehrerbildung in Westfalen und der Rheinprovinz.

Gebäude der Marks-Haindorf-Stiftung Ansicht des Gebäudes der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster.
(37. Bericht der Stiftung – Jüdisches Museum Westfalen)
Viele Lehrerstellen in den Provinzen können durch Absolventen des Seminars besetzt werden, zumal das Haindorfsche Seminar zahlreiche Schulgründungen in Westfalen und zum Teil in der Rheinprovinz fördert. Seine qualifizierten Absolventen – unter anderen auch der Pädagoge und Schriftsteller Jakob Loewenberg – begründen ein hohes Ansehen weit über diese Region hinaus. Allerdings erlangt das Lehrerseminar zu keiner Zeit den öffentlich-rechtlichen Status und die Prüfungsberechtigung.

Wie der Alltag im Marks-Haindorfschen Lehrerseminar aussah, illustriert ein Bericht von Abraham Treu hören Sie dazu einen kurzen Audiobeitrag aus dem Jahr 1863.

Öffentliche Zuschüsse


Getragen wird die Institution von der Marks-Haindorfschen Stiftung. Seit der öffentlichen Anerkennung der Stiftungsarbeit ergibt sich die Möglichkeit, öffentliche Zuschüsse zu beantragen; die Stiftung verlagert ihren Arbeitsschwerpunkt endgültig auf die Bildungsabteilungen Elementarschule und Lehrerseminar. Unter dem Einfluss des Schulleiters Dr. Meier Spanier löst sich die Lehranstalt weitgehend von ihren religiösen Bindungen und versteht sich primär als moderne Ausbildungsstätte deutscher Lehrer jüdischer Konfession.
Dr. Meier Spanier Dr. Meier Spanier (1864–1942), der langjährige Leiter des Marks-Haindorf'schen Lehrerseminars.
Foto: H.Ch. Meyer 1962
In der Auseinandersetzung mit dem Zionismus diesen Begriff im Glossar nachschlagen stützt die Stiftung die Ziele des 1893 gegründeten "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der die formal rechtliche Emanzipation diesen Begriff im Glossar nachschlagen durch umfassende soziale Integration bei voller Anerkennung der kulturellen und religiösen Identität der jüdischen Minderheit fordert. Dies bringt die Stiftung zu ihrem 75jährigen Bestehen am 27. Dezember 1900 durch Meier Spanier unmissverständlich zum Ausdruck.

Innerjüdische Auseinandersetzung


Diese exponierte Reformposition ist Teil der immer wieder auftretenden Auseinandersetzung zwischen orthodoxen und reformorientierten Juden vor Ort und in ganz Deutschland. Für die Stiftung hat das schwankende oder verweigerte Zahlungen der Gemeinden zur Folge, was sie immer wieder finanziell in eine schwierige Lage bringt. Verein und Stiftung erhalten aber andererseits gerade wegen dieser Position Spenden von namhaften christlichen Persönlichkeiten.
Das Marks-Haindorfsche Lehrerseminar wird am 31. März 1926, wenige Monate nach dem 100jährigen Bestehen der Stiftung, geschlossen. Ein wesentlicher Grund ist die Akademisierung des Volksschullehrer-Berufs und der Aufbau von Pädagogischen Akademien in Preußen. Eine pädagogische Akademie jüdischer Konfession wird nicht errichtet.