Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Handel auf der Szeroka-Straße


Auf der Szeroka-Straße gab es immer großen Verkehr,...

Lubliner Wasserträger Lubliner Wasserträger während der deutschen Okkupation. Fotograf unbekannt.
Foto: Sammlung Simcha Wajs / "Brama Grodzka Teatr NN"
... eine Unmenge von Passanten und Verkäufern, die laut zum Kauf ihrer Waren ermunterten hören Sie dazu einen kurzen Audiobeitrag.

Viele "Wasserträger" schleppten Wasser in eisernen Eimern, kleine Kinder spielten auf der Straße, Händlerinnen verkauften verschiedene Geräte und Backwaren. Es ließ sich ein ständiges Stimmengewirr, manchmal ein Streit hören. An den Brunnen, von denen Wasser geschöpft wurde, gab es immer ein großes Gedränge.

Die Verkäufer saßen vor ihren Läden. Auf der Straße, vor den Läden, standen Schemel, Bänke, Säcke, und verschiedene andere Dinge. Mitten auf dem Bürgersteig befanden sich eine Waage und riesige Säcke mit Mehl. Um die Waage herum stand eine Menge ermüdeter Träger.
Brunnen in der Szeroka-Straße Brunnen in der Szeroka-Straße, 1943. Fotograf unbekannt.
Foto: Sammlung Simcha Wajs / "Brama Grodzka Teatr NN"
Durch die Szeroka-Straße zog immer eine Schlange von Wagen und Zweirädern. Alle Läden in der Szeroka-Straße hatten an ihren Fensterläden, die für die Nacht geschlossen wurden, ein Bild, das für die Art ihrer Tätigkeit stand. Der Schuhmacher hatte einen Schuh, der Schneider Stoffstücke, und der Wasserhändler einen gemalten Siphon.

Marktfrauen verkauften "Bubelach"


Auf dem Hof des Hauses Nummer 50 standen Fuhrwerke mit Erzeugnissen, die Bauern vom Land mitbrachten. An einer Stelle saßen jüdische Marktfrauen und verkauften Makagigi (Mohnkonfekt), im Winter dagegen warme Bohnen und "Bubelach" Kleingebäck mit Buchweizengrütze, das in speziellen Gefäßen gebacken und warm mit Butter gegessen wurde. Es wurden auch Brezeln verkauft.

Im 19. Jahrhundert war die Szeroka-Straße nach wie vor ein Handelszentrum des jüdischen Stadtviertels. Sie war aber nicht mehr so reich wie vorher. Die vermögendsten Lubliner Juden hatten sie verlassen und waren in die Altstadt oder in die Krakowskie-Przedmieście-Straße umgezogen. In der Szeroka-Straße blieben nur die ärmeren und kinderreichen Familien, die mit Kleinhandel und Gewerbe ihren Unterhalt verdienten. In fast jedem Haus befanden sich kleine Läden und Handwerksbetriebe, in denen man alles Galanterie- und Schuhmacherartikel, Lebensmittel oder Brennkohle kaufen konnte.

Um Wasser zu holen, ging man zu den zwei Brunnen. Der eine befand sich nahe dem Stadttor (Brama Grodzka), der andere ganz am Ende der Szeroka-Straße.

Eimerweise Wasser


Wasser wurde eimerweise gekauft. Ein Eimer kostete einen Groschen. In der Szeroka-Straße befand sich der Sitz verschiedener jüdischer Einrichtungen. Das Gebäude Nummer 1 beherbergte die Organisation "Zukunft", eine Jugendorganisation des jüdischen "Bundes". Auf der anderen Seite, in der Nummer 6, befand sich der Berufsverein der Lubliner Schneider, der so genannte "Nudl Varain".