Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Reaktionen der nicht-jüdischen Bevölkerung


Die nicht-jüdische Bevölkerung protestierte gegen den Transport, wie aus einem Polizeibericht vom 9. Juli 1942 hervorgeht.

Antijüdische Losungen an einem Geschäft in der Zwanestraat Mitglieder der N.S.B. (Nationaal Socialistische Bond) schrieben Hetz-parolen auf ehemalige jüdischen Laden. (Foto: Kollektion Stiftung Kriegs- und Widerstandsmaterialien Groningen (Collectie Stichting Oorlogs- en Verzetsmateriaal Groningen))
Dieser Bericht war am Abend vor dem ersten Transport vom Polizeipräsidenten, dem NSB-Mitglied Ph. Blank, verfasst worden.

"Heute Abend um ungefähr 20.10 Uhr gab es Ansammlungen von Nicht-Juden in der Folkingestraat und Umgebung, d.h. dem Judenviertel. Ursache vermutlich Sympathiekundgebungen zugunsten der Juden. Die Juden selbst zeigten sich nicht. Nach etwa einer Viertelstunde hatte sich das Ganze beruhigt. Das Judenviertel bleibt weiterhin bis heute Abend 23.00 Uhr abgeriegelt."

Unruhe in der Stadt


Auch am Tage des Transportes selbst war es unruhig in der Stadt. Der Bericht im Telegrammstil des Kommandanten der Ordnungspolizei E.H. Huizinga vom 10. Juli 1942, 11.55 Uhr, zeigt dies.

"Heute Morgen Transport von ca. 850 Juden in zwei Zügen vom Hauptbahnhof in verschiedene Arbeitslager. Tausende von Zuschauern auf den Beinen, Umgebung Bahnhof und dem Gleis entlang. Diese Menge auseinandergetrieben: Säbel und Gummiknüppel benutzt. Seitens der Juden keine Demonstrationen oder Krawalle."
Anti-jüdische Parole an die Wohnung und auf dem Burgersteig der huhnerhandler Cohen an der Stationsstraat in Groningen Anti-jüdische Parole an die Wohnung und auf dem Burgersteig der huhnerhandler Cohen an der Stationsstraat in Groningen.
(Foto: Kollektion Stiftung Kriegs- und Widerstandsmaterialien Groningen (Collectie Stichting Oorlogs- en Verzetsmateriaal Groningen))

Bürgermeister protestiert


Auch der Bürgermeister von Groningen protestierte in einem Brief an den deutschen Ortskommandanten Rauch gegen den Transport der Männer.

"Die am Freitag, 10. Juli 1942, durchgeführte Maßnahme, eine große Anzahl von jüdischen Männern in Arbeitslager zu bringen, hat einen äußerst ungünstigen Eindruck auf einen sehr großen Teil der Bevölkerung gemacht. [...] In einem Land, das viele Jahrhunderte stolz auf seine Tradition war, Unterdrückten das Asylrecht gewährt zu haben, müssen diese Taten großen Anstoß erregen. Die Maßregel widerspricht dem religiösen Gefühl eines großen Teils der Bevölkerung, die jegliche Art der Verfolgung verabscheut. Sie wird als Verstoß gegen das Besatzungsrecht gesehen. Dies gilt hier in Groningen, wo man immer etwas Abstand zu den Juden gehalten hat, mindestens genauso stark wie anderswo."

Aber aus vielen Interviews mit Überlebenden der Vernichtungslager ergibt sich ein anderes Bild, nämlich dass das Schicksal der Juden hören Sie dazu einen kurzen Audiobeitragder Groninger Bevölkerung gar nicht so sehr ans Herz gegangen ist. Und dass man sich besonders im Stich gelassen fühlte. Die Wahrheit liegt hier wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Fakt ist wohl, dass es bei diesen Protesten blieb. Bei der Deportation von Frauen und Kindern einige Monate später verstummte der Protest.