Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Maurischer oder orientalischer Stil


Die Fenster in der Fassade und die Türme außen, die Bögen auf und unter den Galerien innen: Überdeutlich ist der maurische Baustil der Groninger Synagoge erkennbar.

Gewölbe der Synagoge Das Gewölbe an der östlichen Seite der Synagoge. Durch dieses Gewölbe hat die Synagoge eine Kreuzform bekommen: Ein Ausbau nach recht und nach links.
Foto: Marcel Wichgers
Den maurischen Stil kennen wir in der heutigen Zeit vor allem von Gebäuden in arabischen oder islamischen Ländern. Aber wir kennen ihn auch von Gebäuden, die in der maurischen Zeit (der Zeit der maurischen oder arabischen Herrschaft in Spanien) gebaut wurden. In dieser mittelalterlichen Periode bildete der Islam die vorherrschende Religion in Spanien. Aber Christen und Juden durften sich nur unter einer Bedingung zu ihrer Religion bekennen, nämlich, dass sie ihre Kirchen und Synagogen im islamischen Stil bauten. Daher der Name "maurischer" Stil. Bezeichnend sind die Hufeisenbögen in den Fenstern und um die Türen.
Treppenhaus in der Synagoge Das Treppenhaus in einem der zwei Türme der Synagoge. Da die Türme von außen wie Minarette aussehen, denken viele Menschen, dass die Synagoge eine Moschee ist.
Foto: Marcel Wichgers

Nicht islamisch, sondern typisch jüdisch


Im 19. Jahrhundert sah man den maurischen Stil jedoch nicht als islamisch, sondern als typisch jüdisch an. Man dachte: "Die Juden kommen aus dem Osten, also gehört der orientalische Stil zu den Juden." So auch bei den Synagogen. Außerdem verdeutlichte die Anwendung des maurischen Stils in den deutschen Synagogen im 19. Jahrhundert, dass es sich nicht um christliche Kirchen handelte. So bekannten sich die Juden immer selbstbewusster zu ihrer Religion.

Die Tatsache aber, dass Kuipers für die neue Groninger Synagoge auch diesen Stil wählte, lag nicht wirklich auf der Hand. Die Blütezeit des maurischen Stils war schon längst vorbei. Im Jahre 1905 wurden in Deutschland kaum noch solche Synagogen gebaut. Man wählte jetzt viel eher einen nationalen deutschen Stil. Für einen Stil, der das Nicht-Deutsche der Juden betonte, gab es keinen Bedarf mehr.

Mehrere Synagogen in diesem Stil


In den Niederlanden wurden ab 1866 einige Synagogen in mehr oder weniger orientalischem oder maurischem Stil gebaut: Eindhoven, Tilburg, Sneek, Rotterdam und Deventer. Aber die neue Groninger Synagoge sah wohl von allen besonders maurisch aus. In diesem Zusammenhang herrscht in Groningen noch immer ein hartnäckiges Missverständnis. Viele Groninger meinen, dass der Architekt Kuipers die berühmte Santa Maria de la Blanca in der spanischen Stadt Toledo gesehen hat. Diese winzige Synagoge wurde in der maurischen Zeit gebaut und ist heute eine katholische Kirche. Kuipers soll dermaßen beeindruckt gewesen sein, dass er sie teilweise in seiner neuen Synagoge in Groningen kopierte.
Kuipers war aber nie in Toledo.
Die Synagoge vom Gedempte Zuiderdiep aus gesehen Die Synagoge vom Gedempte Zuiderdiep aus gesehen.
Foto: Marcel Wichgers
Ein anderes Gerücht ist, dass der reformierte Kuipers seinen eigenen christlichen Glauben hinein schmuggelte, indem er dem Gebäude die Form eines Kreuzes gab. Im östlichen Teil ist deutlich der Transept erkennbar. Zwar haben viele Kirchen von Kuipers diese Kreuzform, aber nicht aus religiösen Gründen. Die zwei Seitenschiffe sind erforderlich, um das Tonnengewölbe zu stützen. Ohne Seitenschiffe würden die Sparren im Gewölbe die Mauern des Gebäudes wegdrücken und es würde vollständig einstürzen. Kuipers entschied sich demnach aus rein bautechnischen Gründen für die Kreuzform.