Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

Logo des EU-Rahmenprogramms zur Kulturförderung "Kultur 2000"
Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Westfalen
Groningen
Lublin

Kontakt aufnehmen Kontakt |  Zeitleiste mit geschichtlichen Überblick Zeitleiste |  Glossar Glossar |  Literaturtipps Literatur |  Weiterführende Links Links | Filmdokumente des Projektes Film | Tondokumente des ProjektesTon |  Hilfe Hilfe |  Seite auf deutsch D  |  Seite auf niederländisch NL  |  Seite auf polnisch PL  | 

  Sie sind hier: Home


Gesangskarriere


Nach einer stürmischen Gesangskarriere, in der sie für den deutschen Kaiser und den amerikanischen Präsidenten auftrat, heiratete Julia Culp. Auftreten wollte sie danach nicht mehr.

Der Deutsche Kaiser und die Kaiserin Kaiser Wilhelm II und Kaiserin Augusta Victoria. Im Jahre 1903 trat Julia Culp in Berlin zweimal für sie auf. Danach wurde die jetzt berühmte Sängerin in ihrer Heimatstadt Groningen ausführlich bejubelt.
Im Sommer 1896 wurde Julia Culp in Amsterdam als Studentin am Konservatorium an der Keizersgracht zugelassen. 1900 schloss sie das Studium ab und kehrte nach Groningen zurück. Sie trat in Haarlem, Rotterdam und Arnhem auf, aber auch im Ausland, in Belgien und England.

Auch in Deutschland hatte sie viel Erfolg. Im Jahre 1901 trat sie im Berliner Bechsteinsaal auf. 1902 hatte sie einen Auftritt bei einem Wohltätigkeitskonzert in Schwerin in Anwesenheit der Fürsten von Mecklenburg, der Königin Wilhelmina und ihrem Mann, Prinz Hendrik. So erlangte ihr Name auch in Kreisen am deutschen Hof Bekanntheit.

1903 hörte eine Hofdame der Kaiserin Augusta Victoria sie singen und lud sie ein, am nächsten Tag im kaiserlichen Palast zu singen. Später sollte sie noch einige Male beim Nachmittagstee auftreten. Inzwischen wohnte Julia schon in Berlin. Ihre Schwester Bertha/Betsy wohnte ab 1904 auch in der Stadt.

Auftritt für kaiserliche Familie


Während einer Soiree zu Ehren des Geburtstages der Kaiserin im Jahre 1903 trat Julia für die gesamte kaiserliche Familie im Neuen Palais in Berlin auf. Nach dem Konzert fragte Kaiser Wilhelm II Julia, ob ihr die Akustik des Konzertsaales im Palast gefiele. Sie sagte, dass sie an Stelle des ganzen Marmors lieber Holz gesehen hätte. Daraufhin lachte der Kaiser und fragte: "Wo soll ich das ganze Holz hernehmen?"

Auch in ihrem Geburtsort Groningen wurde man auf ihre Erfolge aufmerksam. Als sie Ende 1904 nach Groningen zurückkehrte, um in "De Harmonie" ein Konzert zu geben, erschienen mehr als tausend Leute, um ihr zuzujubeln. In dieser Zeit trat sie ungefähr hundert Mal im Jahr auf. Nicht nur in Orten in der Provinz Groningen wie Delfzijl und Winschoten, sondern auch in Ländern wie Russland, Schweden, Österreich, Ungarn und Spanien. Von den lokalen Rezensenten wurde sie meistens gelobt. Nur in Berlin musste sie einmal Kritik einstecken.
Julias Erstaufführung in Amerika Programm von Julias Erstaufführung in Amerika, in der New Yorker Carnegie Hall am 10. Januar 1903. Die New York Times lobte das Konzert.

"Wahnsinnig affektiert"


"Sehr talentvoll, aber wahnsinnig affektiert", schrieb ein Kritiker, wobei er auf die typische Manieriertheit von Sängerinnen abzielte, die Julia noch zeigte.

Nach Europa war 1913 Amerika an der Reihe. Julia gab ihr amerikanisches Debüt in der Carnegie Hall in New York mit Liedern von Schubert, Schumann und Brahms. Insgesamt gab sie in allen Teilen Amerikas in gut fünf Monaten 51 Konzerte. 1914 trat sie einige Male mit dem weltberühmten Caruso auf. Bei ihrer vierten Tournee durch die Vereinigten Staaten 1916 trat sie im Weißen Haus für Präsident Wilson auf.
Julia Culp in St. Louis, 1915 Julia Culp in der amerikanischen Stadt St. Louis, etwa 1915. Am Vorderseite der Straßenbahn wurde ein Schild befestigt mit Werbung für ein Konzert von Julia in dieser Stadt.

Übertritt zum Katholizisimus


1905 heiratete die 24-jährige Julia den 26jährigen Deutschen Erich Merten. Sie zogen in ein großes Haus am Wannsee, in der Nähe von Berlin. Aber die vielen Reisen bedeuteten eine zu große Belastung für ihre Beziehung. Sie verliebte sich in Wilhelm Ginzkey, Inhaber einer Teppichfabrik und ließ sich von Merten scheiden. Julia trat bei ihrer Heirat mit Ginzkey im Jahre 1919 zum Katholizismus über. Sie tat dies sehr widerwillig, denn sie hatte schon früher die Religion gewechselt. Bei ihrer ersten Heirat mit Merten war sie zum Protestantismus übergetreten.

Mit den vielen Reisen war es in dieser zweiten Ehe vorbei. Nur ab und zu ließ sie sich überreden, ein Konzert in den Niederlanden zu geben oder Plattenaufnahmen hören Sie dazu einen kurzen Audiobeitrag zu machen. Sie hatte genug vom Reisen und genoss als Hausfrau das Luxusleben mit Ginzkey.

1934 starb er. Julia wohnte weiterhin in ihren Häusern in der Tschechoslowakei und in Österreich, bis der Nationalsozialismus dies unmöglich machte.