Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Untertauchen und Verhaftung


Nur wenige Juden konnten eine "Untertaucher-Adresse" finden. Und wenn sie ein Versteck fanden, so bedeutete dies in den wenigsten Fällen eine Garantie, den Krieg zu überleben.

Die ehemalige Brückenwächterwohnung bei Ellerhuizen Jozef und Regina Meijer tauchten bei mehreren Adressen unter. Hier, an der anderen Seite des Boterdiep, war ihre letzte Untertauchadresse: die ehemalige Brückenwächterwohnung bei Ellerhuizen.
Jelly Veentjer-Ottens (1931) ist die Tochter des Brückner-Ehepaares Ottens. Sie erinnert sich noch deutlich, wie das Ehepaar Meijer ungefähr ein Jahr bei ihnen zu Hause, in einem kleinen Zimmer auf der oberen Etage, wohnte. Sie waren eine Art von Opa und Oma für sie.

"Ich brachte ihnen jeden Tag die Mahlzeit", erzählt sie. "Dann machten wir Spiele wie 'Mensch ärger dich nicht'. Oder sie erzählten Geschichten. Aber sonst wollten sie nur wenig über sich selbst erzählen. Nicht über andere Verstecke und nicht über ihren jüdischen Hintergrund. Ich wusste sogar nicht, wo sie gewohnt hatten."
Plakette an der Wohnung des Ehepaares Meijer am Boterdiep in Bedum Plakette an der Wohnung des Ehepaares Meijer am Boterdiep in Bedum. Die Plakette stellt die Lebenslinien des Ehepaares dar, die letzendlich nach Auschwitz führte. Die Linien formen auch einen Davidstern.

Ständige Angst


Jelly war nicht einmal klar, dass das Ehepaar jüdisch war. "Sie aßen einfach, was auf den Tisch kam, also nicht-koscheres Essen." Auch hat sie keine Ahnung von der Art und Weise, wie sie die Zeit in ihrem Zimmer verbrachten. "Ich bemerkte wohl, dass er fröhlicher war als sie. Sie hatte dauernd Angst verhaftet zu werden. Die 'Untertauchadresse' war bei der Widerstandsbewegung im Dorf Bedum bekannt. Die steckte regelmäßig Essensbons für das Ehepaar in den Briefkasten."

Jelly Veentjer-Ottens schlief im Herbst 1943 um elf Uhr abends in ihrer Bettnische, als niederländische Polizisten an der Haustür klopften. Nachdem ihre Eltern die Haustür geöffnet hatten, kamen sie mit acht verhafteten Untergetauchten herein.
Das "Scholtenshuis" am Grossen Markt in Groningen Das "Scholtenshuis" am Grossen Markt in Groningen. Hier wurde das Ehepaar Meijer festgehalten und verhoert.

Fluchtversuch gescheitert


Etwas später versuchte das alarmierte Ehepaar Meijer in ein Versteck auf der halben Treppe zu fliehen. Aber sie wurden von der Polizei bemerkt. Josef flüchtete ins Feld und wurde verhaftet, nachdem man auf ihn geschossen hatte. Regina schnitt sich aus Verzweiflung die Pulsadern auf.

Die Verhafteten wurden ins Hauptquartier des Sicherheitsdienstes, SD, dem Scholtenshuis am Grote Markt in Groningen gebracht. Dort soll Josef Meijer vom Balkon gesprungen sein und sich dabei die Schulter gebrochen haben. "Dennoch hat er seine Frau in einem alten Kinderwagen zum Bahnhof schieben müssen", meint Frau Veentjes. Das Ehepaar Meijer wurde innerhalb einiger Tage über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz transportiert. Dort wurden sie vergast.

An der Außenmauer der ehemaligen Wohnung des Ehepaares Meijer in Bedum wurde eine Plakette angebracht.