Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

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Kurse und Kinderbücher


Nach dem Tod ihres Mannes wandte Clara ihre ganze Energie für die Erziehung ihrer Kinder und die Erteilung von Kursen auf.

Das Begräbnis des Oberrabbiners Avraham Asscher (1919–1926) im Jahre 1927 Bei der ehemaligen orthodoxen Synagoge beim Begräbnis des Oberrabbiners Avraham Asscher im Jahre 1927.
(Foto: RHC GrA Tg 1740 invnr. 2457)
In ihrem zweiten Jahr in Groningen bekam Clara ihre ersten Kinder, die Zwillinge Elie
(1920–..) und Menachem (1920–1942). Danach folgten Jitschak (1921–1945), Meier (1922–..), Roza (1923–..) und Fieke (1926–2002).

"Tänzerin ohne Beine"


Ihr Mann Avraham starb im Jahr der Geburt von Fieke an einer Lungenkrankheit (möglicherweise Tuberkulose). Ihre Autobiographie, die 1966 erschien, nannte sie aus diesem Grund "Tänzerin ohne Beine". Denn genauso wie eine Tänzerin, die ihr wichtigstes Instrument, die Beine, verloren hatte, musste sie mit neunundzwanzig Jahren ohne ihr wichtigstes Instrument des Glücks und der Selbstverwirklichung weiterleben: ohne Avraham.
Das Gebaeude des Zoologischen Laboratoriums an der Reitemakersreige in Groningen Das Gebaeude des zoologischen Labotatoriums an der Reitemakersreige in Groningen. Hier gab Clara 1928 und 1930 Kurse ueber Jugendliteratur und Erziehung an der Volkshochschule.
Photo E. Folkers, 1930
Clara Asscher-Pinkhof war jetzt allein für die Erziehung ihrer Kinder zuständig. Sie musste mit einer kleinen Rente auskommen, die sie mit dem Geld aufbesserte, das sie mit Vorträgen, Kursen an der Volksuniversität in Groningen und dem Schreiben von Kinderbüchern und Romanen für Erwachsene, wie "Der Weg allein" (1935), verdiente.

Bei einem dieser Vorträge – "Was sollten unsere jüdischen Kinder lesen?" – wies Clara auf die große Bedeutung von Büchern in der (jüdischen) Erziehung hin. "Das Kind muss auch durch Bücher erzogen werden, sein Geschmack muss gebildet werden, es muss lernen, Gutes und Böses, Schönes und Hässliches zu unterscheiden". Als Beispiel eines "guten und reinen Kinderbuches" nannte Clara "Afke’s Tiental" von Nienke van Hichtum. "Jüdische Kinder müssen die gleichen Bücher lesen wie nicht-jüdische Kinder", sagte Clara bei einem Vortrag. "Aber dann noch etwas mehr, nämlich jüdische Bücher."

Einsicht in die Außenwelt


Clara zufolge hilft das Lesen, Einsicht in die Außenwelt zu erlangen. Sie wies bei einem Vortrag darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen Behalten im Herzen und Behalten im Kopf gibt. "Wenn die Kinder die jüdischen Geschehnisse innerlich mit erleben, so ist dies für das spätere Leben viel wichtiger, als wenn sie Reihen mit Jahreszahlen herunterleiern können. Die Lektüre kann dabei helfen."

Nicht jeder sollte denken, einfach ein Kinderbuch schreiben zu können. "Zu viele Menschen betreiben 'Kinderschreiben'. Und es ist so schwierig. Man muss sich in das Kind hineinversetzen und die Kindersprache sprechen können. Und man muss vor allem wirklich etwas zu sagen haben."

Auch zwei Kurse, die Clara 1928 und 1930 abends an der Volksuniversität im Gebäude des Zoologischen Labors an der Reitemakersrijge gab, befassten sich mit Jugendliteratur und Erziehung. Die Themen im Programmheft im Jahre 1928 waren unter anderem: "Märchen erzählen" und "Vorlesen". Sie gab in diesem Zusammenhang Beispiele "schlechter, unbedeutender und guter Lektüre".

Sehnsüchte der Jugend


Die Kursreihe im Jahre 1930 dauerte vier Abende. Am ersten Abend stand das Thema "Die Jugend dieser Zeit" auf dem Programm. Reflektionen über den Geist dieser Jugend in Bezug auf ihren Geschmack und ihre Sehnsüchte. "Sollte diesem Geschmack entsprochen werden?" (…) "Sollten die Probleme der Erwachsenen in der Jugendliteratur behandelt werden?" Am zweiten Abend behandelte Clara das Buch für Jungen: "Spannung und Sensation". Über Kriege in historischen Büchern. (…) "Kann Literatur für Jungen etwas gegen Kriege tun?
Der Schurke und der Held. Das Mädchen in Büchern für Jungen. Verliebtheit."

Ein Abend über Mädchenbücher durfte natürlich nicht fehlen: "Gefühl und Sentimentalität. Die Heldin, im Haushalt, Studium oder Beruf. (…) Über Kleider, Tanzen und Vergnügen. Liebe und Heirat. Backfisch-Humor."

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