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Imo Moszkowicz und die Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte


Lange war es Imo Moszkowicz nicht möglich, über das erlebte Grauen zu berichten.

Umschlagbild von Imo Moszkowiczs Erinnerungsbuch Umschlagbild von Imo Moszkowiczs Erinnerungsbuch "Der grauende Morgen"
(Erstauflage 1996).
Als er zum Frankfurter Auschwitzprozess als Zeuge geladen wurde, weigerte er sich teilzunehmen. Er wollte lieber bestraft werden, "bevor ich vor den Augen und Ohren der Verbrecher, die da auf der Anklagebank saßen, die Geschichte meines Verfolgtseins hersagte". Die von ihm verantwortete Frankfurter Inszenierung des Theaterstücks "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth, so schrieb er dem Staatsanwalt, stelle seine Zeugenaussage zu diesem Prozess dar.

Erst spät in den 1990er Jahren war Moszkowicz in der Lage, die Geschichte seiner Jugend und seiner Familie aufzuschreiben und unter dem Titel "Der grauende Morgen" zu veröffentlichen.

"Eine erinnernde Rückkehr"


Mit solcher Aktivität ließ sich Moszkowicz immer wieder in eine Zeit versetzen, "zu der ich mich nicht mehr äußern wollte, denn ich hatte mir mittlerweile souffliert, dass die Welt mittlerweile genug von der Unbegreiflichkeit der Jahre zwischen 1933 und 1945 weiß, und dass es nicht angehen kann, dass diese Schrecklichkeit, die mir meine Mutter und sechs Geschwister und meine Jugend weggerissen hat, jetzt, da mein letztes Jahrzehnt eingeläutet ist, durch eine erinnernde Rückkehr mich auch dieser Jahre beraubt.
Denn: Erinnerung ist nicht nur das Paradies..., sie ist zugleich auch die allerquälendste Hölle. Mein Vorsatz, vor keinem Mikrophon, keiner Kamera, keinem Bleistift mehr mich in diese Vergangenheit zurückziehen zu lassen, war schon aus einem einzigen Grund nicht haltbar. Wir, die Opfer, dürfen niemals aufhören das hohe Lied derjenigen zu singen, die in unserem Lande die Kühnheit hatten ihre Mitmenschlichkeit zu bewahren."
(Moszkowicz im November 2003)
Imo Moszkowicz in den 1980er Jahren Imo Moszkowicz in den 1980er Jahren bei einem Besuch in Ahlen.
Foto: Privatarchiv H.W. Gummersbach
Vor allem lag ihm daran, einer der wenigen Helferinnen seiner Familie, Therese Münsterteicher, zu einem angemessenen Gedenken zu verhelfen.

In den Jahren 2004/2005 arbeitet Imo Moszkowicz an einer Verfilmung von Marga Spiegels Memoiren; diese jüdische Frau stammt ebenfalls aus Ahlen und wurde mit ihrer Familie von unerschrockenen westfälischen Bauern (ehemaligen Kunden ihres Mannes, eines Viehhändlers) versteckt und gerettet; ihr Buch "Retter in der Nacht" aus dem Jahr 1965 ist eines der frühesten Zeugnisse solcher Überlebensgeschichten in Westdeutschland.