Jüdische Kultur auf Hebräisch

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Religionsunterricht


In Groningen entpuppte sich Clara Asscher-Pinkhof als eine rebellische Pädagogin, die nicht davor zurückschreckte, Tabus zu durchbrechen. Sie war aber auch eine rebellische Rabbinerfrau.

Avraham Asscher Avraham Asscher, der Ehemann von Clara.
In Groningen beschäftigte sich Clara weiterhin mit dem Unterricht, aber nicht länger als Lehrerin. Sie war eine rebellische Pädagogin (Erzieherin), die gegen die Tabus in der Bildung und Erziehung kämpfte. Sie plante, den Religionsunterricht für jüdische Kinder zu verbessern.

Clara war der Meinung, dass man sich an den jüdischen Religionsschulen "an der Kinderseele versündigte". "Es galt einen Stall auszumisten, in dem sich mindestens ein Jahrhundert an Staub und Spinngewebe angesammelt hatte", so sagte sie. Clara war der Meinung, dass der jüdische Religionsunterricht damals alles dafür täte, junge Menschen dazu zu bringen, sich vom Judentum abzuwenden. Kinder erführen die Unterrichtsstunden als "verhasste Stunden der Gefangenschaft".
Die Synagoge von Avraham Asscher Die Synagoge in Groningen wo Avraham Asscher Rabbiner war.
Bild: P.B. Kramer

Änderungen im Unterricht


Avraham bat sie deshalb, ihre Pläne mit den Religionslehrern in der Stadt zu besprechen. "Das war etwas ganz Neues", schrieb Clara. "Die Tradition verlangte, dass der Religionsunterricht von oben geregelt und vom Oberrabbiner vorgeschrieben wurde, der in vielen Fällen noch nie unterrichtet hatte und kaum wusste, was ein Kind war. (…) Und nun lud der neue Oberrabbiner die Religionslehrer der Stadt ein, zusammen mit seiner Frau die eingreifendsten Veränderungen im Lehrplan unter die Lupe zu nehmen. (…) Sie blieben gelassen."

Clara mochte das ordentliche Leben nicht, das sie als Rabbinerfrau führen musste sehen Sie dazu einen kurzen Filmausschnitt. Darüber schrieb sie einmal: "Ich tat pflichtgetreu alles, was von mir erwartet wurde: Ich trug eine Perücke über meinem eigenen Haar, als Zeichen einer verheirateten Frau, als eine Art Schleier, aber das lag mir nicht. Es war ein tägliches Fest, abends die Perücke abzunehmen und mein eigenes langes Haar zu kämmen und zu flechten."

Sie konnte die Besuche, die sie als Frau des Rabbiners tätigen musste, nicht ausstehen – "Frau Oberrabbiner" wurde sie dann gegen ihren Willen genannt. Sie bat deshalb Frauen, die etwa gleich alt waren, "du" und "Clara" zu ihr zu sagen.