Jüdische Kultur auf Hebräisch

Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen

Logo des EU-Rahmenprogramms zur Kulturförderung "Kultur 2000"
Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Westfalen
Groningen
Lublin

Kontakt aufnehmen Kontakt |  Zeitleiste mit geschichtlichen Überblick Zeitleiste |  Glossar Glossar |  Literaturtipps Literatur |  Weiterführende Links Links | Filmdokumente des Projektes Film | Tondokumente des ProjektesTon |  Hilfe Hilfe |  Seite auf deutsch D  |  Seite auf niederländisch NL  |  Seite auf polnisch PL  | 

  Sie sind hier: Home


"Krieg, Revolution und Judentum" – 1919


"Die Niederlage, die wir erlitten haben, und die Revolution, die den Staat erschüttert, die tiefe Not des Vaterlandes und die Fieberwirren der Zeit...

Die Dortmunder Synagoge In der Dortmunder Synagoge am Hiltropwall hielt Benno Jacob die meisten seiner aufklärenden Vorträge.
Foto aus H. Ch. Meyer 1962
...sollen zur Entfesselung einer neuen Judenhetze ausgebeutet werden... An allem Unglück sollen die Juden schuld sein, alle Erbitterung und Wut soll auf ihre Häupter entladen werden, und als letztes Ziel winken Pogrome nach russischem und polnischem Vorbilde – 'Schlagt die Juden tot!' So ist uns Juden neben den Leiden und Sorgen, die wir mit allen Volksgenossen tragen müssen, noch eine besondere, unsere Ehre, unser Recht und unser Leben bedrohende Gefahr erwachsen, die an die schlimmsten Zeiten unserer Leidensgeschichte erinnern kann...

Nicht gleichgültig sein


Dagegen dürfen wir nicht gleichgültig sein... Wir müssen versuchen, unsere christlichen Mitbürger über Juden und Judentum aufzuklären und eines Besseren zu belehren, damit sie nicht den Einflüsterungen und Werbungen unserer Widersacher nachgeben...
Kriegsführung und Niederlage – beide sind, von den Diplomaten ganz zu schweigen, das Werk der militärischen Machthaber und Ratgeber, unter denen sich kein einziger Jude befand, und denen bei uns in Deutschland der Götzendienst eines so blinden Autoritätsglaubens gewidmet wurde, daß jeder Versuch einer Einmischung, und nun gar von jüdischer Seite, als Wahnsinn und Blasphemie gebrandmarkt worden wäre... Über hunderttausend Juden, fast der fünfte Teil der gesamten eingeborenen jüdischen Bevölkerung, d.i. mindestens dasselbe Verhältnis wie bei der christlichen, waren zum Kriege eingezogen. Wie nunmehr festzustellen ist, haben wir im ganzen etwas über 1 ½ Millionen Gefallene zu beklagen... Das sind die Juden als Drückeberger...

Wir haben unsere Pflicht getan


Kurz, wir glauben unsere Pflicht im Kriege sowohl im Felde als daheim in nicht geringerem Maße als unsere christlichen Volksgenossen getan zu haben und würden einer unparteiischen Untersuchung mit Freuden entgegensehen...
Todesanzeigen jüdischer Familien im Ersten Weltkrieg Durch ihren Einsatz im Ersten Weltkrieg glaubten viele deutsche Juden ihren Patriotismus hinreichend belegt zu haben – Todesanzeigen jüdischer Familien in der Dorstener Volkszeitung
Abbildung: Jüdisches Museum Westfalen
Unter jenen jüdischen Führern, von denen eine philisterhafte Presse dem Volke gruselig zu machen weiß, befinden sich Männer, nicht bloß eines feinen hochkultivierten Geistes, sondern so lauteren Charakters, daß die antisemitischen Schreier ihnen nicht einmal die Schuhriemen zu lösen würdig sind. Übrigens sind manche von ihnen gar nicht als Juden zu betrachten. Sie haben sich frühzeitig jedem jüdischen Einfluß entzogen... Daß aber manche Juden sich den radikalen Parteien angeschlossen haben, ist durchaus verständlich. Der Jude wurde ja mit Gewalt zu ihnen herübergedrängt....

Mit Kopf und Herz ein Deutscher sein


Wir haben überhaupt nichts dagegen, wenn die Hoffnung auf eine Reaktion sich jeden einzelnen Juden, der sich jetzt in ihren Augen mißliebig macht, merkt. Aber wir erheben entschieden Einspruch dagegen, in unserer Gesamtheit für ihn verantwortlich gemacht zu werden...
Daß mit dieser ganzen Denkweise von Grund aus aufgeräumt würde, das ist die Revolution, die wir wünschen, die Revolution der Gesinnung, die niemanden als 'Fremden' brandmarkt, der mit Kopf und Herz ein Deutscher sein und für das Vaterland arbeiten will."

(Auszug aus einem der öffentlichen Vorträge von Benno Jacob, Dortmund 1919)

Lesen Sie hierzu auch folgende Seiten